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Frankfurter Wellenschrank

- Barock

Das Barock in Deutschland (1660 - 1720)

Nach dem Ende des 30jährigen Krieges konnte sich Deutschland erst 1660 der allgemeinen Barockentwicklung anschließen. Im Norden wie im Süden war der Zug zur großen Form als Reaktion auf die Überladenheit der Spätrenaissance schon deutlich geworden. Es änderten sich dabei kaum die Grundtypen der Möbel, sondern vor allem die dekorativen Elemente.

Südlich der Mainlinie blieben die wichtigen Zentren Nürnberg, Augsburg, Basel, Ulm und Frankfurt bestimmend für die bürgerliche Möbelkunst, deren Höhepunkt sicher die großartigen „Frankfurter Schränke„ darstellten.

Neben dem bürgerlichen Möbel begann sich auch in Deutschland, mit dem Erstarken der Fürstenhöfe während der Gegenreformation, ein Prunkmobiliar zu entwickeln, angelehnt an französische und italienische Vorbilder. Berlin, Dresden und München wurden bedeutende Residenzen und Kunstzentren.

München war ganz vom italienischen Barock beeinflußt. Kurfürst Ferdinand Maria und seine Gemahlin, eine savoyische Prinzessin, beriefen italienische Künstler wie Enrico Zuccali an ihren Hof, die die Residenz neu ausgestalteten. 1714 trat Josef Effner (1687 - 1745) als Hofbaumeister in die Dienste des Nachfolgers, Kurfürst Max Emanuel. Effner hatte in Paris studiert und war vertraut mit den Arbeiten Bérains und Marots. Seine Werke zeigen den Übergang zum Rokoko in einer schönen, frischen Weise. Er vollendete Schloß Nymphenburg und den Ausbau von Schloß Schleißheim.

Wichtigstes bürgerliches Möbel blieb der Kasten. Dagegen war die Truhe ganz in den Hintergrund getreten.

Einer der schönsten Barockschränke ist der sog. Frankfurter Schrank. Als Frankfurter Schränke wurden auch solche nach Stichen des Friedrich Unteutsch bezeichnet. Sie waren Fassadenschränke und hatten oft gewundene Säulen und überreiches Knorpelwerk.

Rokoko Schreibsekretär

- Rokoko

Das Rokoko in Deutschland (ca. 1720 – 1770)


Der französische Stil strahlte auch im 18. Jahrhundert in alle europäischen Länder aus, aber nirgendwo wirkte er sich so stark aus wie in Deutschland.
Deutsche Künstler orientierten sich in Paris und verarbeiteten ihre Eindrücke in fruchtbarer und verschiedener Weise. So wurde Francois Cuvilliés, ein Wallone, dessen zeichnerische Begabung Max Emanuel von Bayern in seinem Exil entdeckt hatte, der Bahnbrecher des Rokoko in Süddeutschland. Als kurbayerischer Baumeister schuf er in der Münchner Residenz die Reichen Zimmer und die kostbare Amalienburg in Nymphenburg, die eines der seltenen ganz im Rokokogeist erstandenen Bauwerke ist.

Bayerische Rokokomöbel sind plastisch bewegt. Oft hellfarbig oder weiß gefaßt mit vergoldetem Schnitzwerk, haben sie eine heitere Ausstrahlung. Der Stil war für ein halbes Jahrhundert über den ganzen süddeutschen Raum verbreitet.

Die wichtigsten und schönsten Schöpfungen der Tischlerkunst waren die Schreibschränke und die Schreibkabinette.

Rokoko in Stichworten:
Hauptornament und Leitmotiv ist die Rocaille (Muschelform). Beschwingt, heiter, zarte Farben, geschwungene Formen, teilweise Aufhebung der Symmetrie.

Empire Tischchen

- Empire

Das Empire in Deutschland (1795 bis 1820)


Empire – Kaiserreich – ist der Stil der Zeit Napoleons und Ausdruck seiner Macht. Begründer des Stils waren die Architekten Charles Percier und Pierre Fontaine. Empire war ein Stil der Repräsentation. Er brachte wenig Farbe, meist weiß mit Gold und dazu das dunkle, rötliche Mahagoniholz der Möbel mit Bronzebeschlägen.

Auf das bürgerliche Möbel hatte der Empire-Stil einen gewissen Einfluß, besonders auf die sehr wichtigen Schreibschränke und Sekretäre.

Empire in Stichworten:
Repräsentationsstil Napoleons. Schmal, gerade, kühl. Römisch-antike und ägyptische Ornamente auf Möbeln und Textilien.

Biedermeier Zimmer (klicken, um Bild zu vergrößern)

- Biedermeier

Das Biedermeier in Deutschland (ca. 1820 bis 1848)


„Biedermeier„ ist für uns zum Inbegriff für bürgerliche Wohnkultur geworden. Man denkt an Schlichtheit, Behaglichkeit, Familie. „Biedermeier„ ist heute zu einem festen Stilbegriff geworden. Kommoden und Schränke blieben meistens glatt und einfach und wirkten durch das schöne Furnier – schlichtes und doch liebenswürdiges Mobiliar. Die hellen Hölzer wurden gern in Süddeutschland und Österreich verwendet, wo sie noch schwarze Einlagen erhielten. Glasschränke und Vitrinen nahmen Porzellantassen, Gläser und kleine Andenken auf. Kleinere Möbel ergänzten die Einrichtung. Große Bedeutung hatten natürlich in dieser schreibfreudigen Zeit die Schreibsekretäre. Das Biedermeier war ein Stil, der seine charakteristischen Formen in Deutschland und Österreich entwickelte.

Wußten sie schon? Das Möbel des Biedermeier ist in seiner geradezu klassischen Zurückhaltung prädestiniert, sich mit der Moderne zu arrangieren. Biedermeiermöbel erfahren in der letzten Zeit eine enorme Wertsteigerung.

Biedermeier in Stichworten:
Bürgerlicher Wohnstil, heiter, schlicht, Wirkung des schönen Holzes auf großen Flächen.

Gründerzeit Büffet

- Gründerzeit

Gründerzeit 1871 – 1895:


Von der Wortverbindung „Gründer„ und „Zeit„ ausgehend, ist sogleich ein geschichtlicher Zusammenhang erkennbar: 1871, die Zeit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/81 und die nachfolgenden Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs, der zunächst durch die von Frankreich gezahlte Kriegsentschädigung beflügelt wurde und eine Welle von Firmengründungen auf spekulativer Basis hervorrief. Dies würde zugleich grob den Begriff „Gründerjahre„ mitdefinieren.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches nach 1871 und dem Sieg über Frankreich regte sich ein Nationalgefühl, und die Renaissance bedeutete Dürerzeit, Inbegriff des Deutschtums. „Altdeutsch„ war gefragt. Mit einem vorübergehenden Wirtschaftsaufschwung, mit vielen Geschäftsgründungen begann die Gründerzeit.

Gründerzeit in Stichworten:
üppige Formen, ausladende Umrisse der Möbel, Säulen, Muschelornamente, hervorstehende Applikationen und Ornamente, Balustraden, drittes Rokoko oder Barock

Jugendstil Vertiko

- Art Nouveau (Neue Kunst)

Jugendstil 1895—1914:


Die großen Vertreter der Art-Nouveau-Idee, wie Henry van de Velde, ein Belgier, der später ganz in Deutschland lebte, waren Universalkünstler. Sie entwarfen alles, was zu einem Auftrag gehörte, ob Tapeten, die sehr wichtig waren, um dem Raum die richtige Stimmung zu verleihen, Glasfenster, Möbel oder Lampen. Kostbare Tiffanyverglasungen z. B. Louis Comfort Tiffany waren besondere und beliebte Schmuckstücke in den Wohnungen. In Deutschland war München die Kernzelle des Jugendstils. Man findet Anfänge um 1895 bei den Arbeiten der Künstler. Fast durchgängig ist der Versuch zu beobachten, die Natur, die in den wuchernden städtischen Ballungszentren zu verloren gehen drohte, in Kunst und Alltag zurückzubringen. Zahllose Pflanzenmotive dominieren die ornamentale Gestaltung, dazu kommt die Darstellung vieler Tiere.

Jugendstil in Stichworten:
Flächig, dekorativ, weitschwingende Linien, Vorbildern aus Tier- und Pflanzenwelt nachempfundene Ornamente und Formen. Müde, aber auch schillernde Farben, Eleganz mit einem Schuß Dekadenz.

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